Fluglärm muss illegal werden!

großdemo_2012_11_24_007Liebe Mitstreiter im Kampf gegen Fluglärm,

dieses ist das dritte Rundschreiben zu Thema Fluglärm, mit dem wir möglichst viele aktive  Politiker auf das Fluglärmproblem aufmerksam machen wollen. (Näheres über uns finden Sie am Ende dieser Nachricht.)
Fluglärm ist kein regionales Problem: 30 Prozent aller Deutschen fühlen sich durch Fluglärm gestört und eine mögliche Gesundheitsschädigung durch Fluglärm wird in der Fachwelt nicht mehr ernsthaft bestritten.
In unseren ersten beiden Rundschreiben unter den Titeln „Das Fluglärmschutzgesetz, der große Bluff“ und „Wie laut sind 65 db(A)?“ haben wir deutlich gemacht, dass mit dem Fluglärmschutzgesetz nicht der Fluglärm reduziert oder niedrig gehalten werden soll, dass in keinem Gesetz Fluglärmobergrenzen definiert sind und deshalb Fluglärm in jeder Lautstärke legal ist, und dass die Berechnungsmethoden für Fluglärm völlig unbrauchbar sind. (Die Texte dieser Schreiben können Sie unter www.fluglaermwahl.de nachlesen.) Warum ist das so? Das Bundesimmissionsschutzgesetz deckt doch fast alle Arten von Umgebungslärm ab und gibt mit den Rechtsverordnungen TA-Lärm und Verkehrslärm genaue Grenzwerte an, deren Überschreiten als „Ruhestörender Lärm“ mit Strafe bedroht wird. Warum gilt dieses Gesetz nicht auch für Fluglärm?
Vermutlich liegt es daran, dass Fluglärm alle Maßstäbe sprengt und deshalb niemand es wagt, daran zu rühren. Fast alle Flugzeuge, die unter 3000 m Höhe fliegen, würden die TA-Lärm-Werte fast immer und überall überschreiten. Ein gerne verwendetes Beispiel sind die Ergebnisse einer vom Umweltamt des Landes Rheinland-Pfalz betriebenen Fluglärm-Messstation in Mainz-Weisenau, die an manchen Tagen bis zu 550 Flugzeuge mit 65 – 80 db(A) registriert. Diese Station steht auf einem Altenheim, wo nach TA-Lärm nur 39-45 db(A) erlaubt wären. Über Wohngebiete sind 44-50 db(A) erlaubt, je nach Tageszeit.
Das darf so nicht weiter gehen. Fluglärm, der die Gesundheit schädigt, darf nicht legal sein!
Wir möchten jetzt einen Denkanstoß geben, wie man Lärmgrenzen für Flugzeuge festlegen könnte. Wir beschränken uns dabei auf An- und Abflugbereiche von Großflughäfen, die meistens bis etwa 4000 m Flughöhe reichen. Höher fliegende Flugzeuge sind so leise, dass man sie nicht zu berücksichtigen braucht.Wir beginnen mit landenden Maschinen. Beim Standard-Landeanflug, wie er weltweit auf den meisten Flughäfen durchgeführt wird, fliegt das Flugzeug mit konstanter Geschwindigkeit und gleichbleibender Triebwerksleistung geradeaus auf der Anfluggrundlinie (das ist eine gedachte Verlängerung der Landebahn-Mittellinie) und sinkt dabei um 50 Meter pro Kilometer Flugstrecke. Die erzeugten Fluggeräusche werden sich dabei kaum verändern, aber der auf dem Boden ankommende Lärm steigt mit geringer werdender Flughöhe gleichmäßig an. 20 km vor dem Aufsetzen ist die Maschine 1000 m hoch und oft über 75 db(A) laut, bei 12 km und 600 m Höhe sind es bereits ohrenbetäubende 80 db(A) und weiter ansteigend, bis sie 2 – 3 Minuten später aufsetzt. Es scheint undenkbar zu sein, dass solche Anflüge über einem Wohngebiet geplant sind, ganzjährig und stundenlang, 16 mal pro Stunde, aber in der Realität gibt es schon Orte mit 24 und mehr solcher Flüge pro Stunde.
Hier setzt unser Vorschlag an. Schauen Sie sich bitte die folgende Tabelle an. (Die angegebenen Lärmdaten sind immer als Maximalwert des Fluglärms zu verstehen, niemals als umgerechnete oder gemittelte Werte. Sie sollen nur als Beispiele dienen und müssten an die tatsächlichen Gegebenheiten angepasst werden.)

Abstand Flughöhe Lärm Anzahl/Stunde
20 km 1000 m 70 db(A) 16
16 km 800 m 72 db(A) 8
12 km 600 m 74 db(A) 4
8 km 400 m 78 db(A) 2
6 km 300 m 80 db(A) 0

Wenn ein Flugzeugmodell aufgrund seine Bauart bei einem normalen Anflug diese Lärmwerte einhält, soll dieses Modell 16 mal pro Stunde landen dürfen und normale Landegebühren bezahlen. Das soll gleichzeitig die maximale Anzahl Flugbewegungen pro Bahn sein, sie entspricht 380.000 Flugbewegungen pro Jahr bei zwei Start- und zwei Landebahnen.
Mit Maschinen, die aufgrund der Bauart bei 1000 m Höhe nicht 70 db(A) sondern 72 db(A) Lärmimmission verursachen, sollen nur 8 statt 16 Überflüge durchgeführt werden  dürfen. Weil dadurch die Landebahnkapazität auf die Hälfte verringert wird, sollen diese Maschinen die doppelte Gebühr bezahlen. So geht das weiter bis zu Maschinen die bei 1000 m Höhe 78 db(A) Lärmimmission verursachen. Davon dürfen nur zwei Flüge pro Stunde stattfinden. Entsprechend wäre dabei die achtfache Gebühr zu zahlen.
Mehr als 78 db(A) sollen in Wohngebieten und Naherholungsgebieten, in Gewerbegebieten mit starkem Publikumsverkehr (z.B. Einkaufszentren), usw. nicht mehr auftreten dürfen, deshalb erhalten lautere Flugzeuge dort keine Landerlaubnis mehr.
Wenn die erlaubte Lautstärke bauartbedingt oder durch geänderte Flugverfahren (z.B.  steilere Gleitflug-Landungen) regelmäßig um 2 db(A) unterschritten wird, kann die erlaubte Anzahl verdoppelt und die Gebühr halbiert werden.
Wenn die Maschinen bauartbedingt die Forderungen erfüllen, aber durch ungünstiges Anflugverfahren oder andere Gründe lauter sind als sie könnten, sollen entsprechend
höheren Gebühren oder Bußgelder wegen „Ruhestörenden Lärm“ gezahlt werden müssen. Diese sollen dann als Entschädigung den betroffenen Anwohner zugute kommen.
Sinngemäß gleiche Regeln müssten auch für startende Flugzeuge entwickelt werden. Wegen höherer Triebwerksleistung sind Maschinen im Steigflug in 2500 m Höhe etwa so laut wie landende Maschinen in 1000 m Höhe. Natürlich müsste der Lärm auf den An- und Abflugrouten systematisch mit Messstationen überwacht und neutral ausgewertet werden. Die Präzisionsanlagen am Server des DFLD (Deutscher Fluglärm-Dienst e.V.) bieten ja heute schon in Verbindung mit den Aufzeichnungen der Flugsicherung alle erforderlichen Daten. Das Netz müsste nur ausgebaut werden.
Die Umsetzung dieser Regeln würde Anreiz genug sein, leisere Flugzeuge, leisere Flugverfahren und bessere Flugrouten zu entwickeln. Für die Gesundheit und Zukunft der Flughafen-Anrainer wäre das nicht zu viel verlangt.
Mit freundlichen Grüßen
Wilhelm Pfeiffer

Datei als PDF herunterladen: Fluglaerm-muss-illegal-werden

Wir über uns:
Die Aktion Bundestagswahl 2013 = Fluglärmwahl ist eine offene Gruppe von etwa 100 Aktiven gegen Fluglärm, von denen die meisten im Rhein-Main-Gebiet wohnen und seit  mehr als einem Jahr jeden Montagabend im Frankfurter Flughafen gegen den unerträglichen Fluglärm demonstrieren, der sich durch den Ausbau des Flughafens nochmals verstärkt hat. Hinzu kommen einige Mitglieder aus dem Umfeld anderer Flughäfen, wie Köln, München, Berlin und Leipzig. Außerdem stehen wir in Kontakt mit
Initiativen gegen Schienenlärm. Wir sind eine offene Gruppe und arbeiten mit offenen Karten. Alle Dokumente und bereits verschickte oder erhaltene Unterlagen, wie Positionspapiere der Parteien veröffentlichen wir für alle zugänglich im Internet unter www.fluglaermwahl.de. Sie finden uns in facebook unter dem Gruppennamen „Bundestagswahl 2013 = Fluglärmwahl“. Sie erreichen uns über Email unter mail@fluglaermwahl.de. Sie können auch eine Email an die Gruppe schicken, an fluglaermwahl@groups.facebook.com.
Diese Email wird automatisch auf der facebook-Seite der Gruppe veröffentlicht.
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Wilhelm Pfeiffer
Heiligkreuzweg 59
55130 Mainz
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