Gescheiterte Großprojekte und deren lokale Folgen

Egal wann der BER eröffnet, man kann sicher sagen, dass dieses Großprojekt gescheitert ist. Von Anfang an in die Sackgasse manövriert, entgegen aller Expertenmeinungen. Gescheitert nicht nur deswegen, weil der Flughafen nach mehrfachen Ankündigungen immer noch nicht eröffnet ist, sondern hauptsächlich, weil die Milliarden Mehrausgaben auf dem Rücken der Steuerzahler ausgetragen werden müssen. Nicht nur in Berlin und Brandenburg sondern auch deutschlandweit und seit der Finanzspritze der EU auch noch europaweit. Doch wo kommt dieses Geld her? Fakt ist, dass Berlin schon jahrelang einen sehr knapp bemessenen Haushalt hat und wenn es darum geht Geld für Projekte auszugeben, ist es meist nicht da.

essenNach der Epidemie mit kontaminierten Erdbeeren im Schul- und Kitaessen war man sich endlich einig, die Qualitätsstandards und die Preise für die Caterer zu erhöhen. Leider reicht die Finanzlage der Stadt Berlin nicht aus, die Kosten für diese Notwendigkeit zu tragen, denn das Geld ist einfach nicht da. So müssen zukünftig die Eltern statt 23 € monatlich 37 € zahlen. Wollen sie einmal ausrechnen für wie viele Schüler man wie viele Jahre lang diesen Betrag für das Schulessen mit den 2 Milliarden Euro Mehrkosten zahlen könnte?

Neuordnung Schulessen: http://goo.gl/ruAiG

jugendViele Menschen regen sich darüber auf, dass die Jugendkriminalität steigt. „So etwas hätte es früher nicht gegeben!“, hört man oft. Ohne Blick für die Zukunft und ohne Perspektiven schließen sich Jugendliche nicht selten rechtsradikalen Gesinnungen an. Terror im Kiez, mit handgreiflichen Übergriffen gegen Menschen wie sie und ich. Wäre das vielleicht nicht so, wenn Jugendliche ein Hobby hätten oder einen Ort wo sie sich einander austauschen könnten und Jugendprojekte durchführen könnten? Ich zähle nur einige Sachen auf, die aus finanziellen Gründen gestrichen wurden. Bibliotheken wurden geschlossen, in einigen Ortslagen ist es Kindern oder Jugendlichen fast unmöglich die noch übrig gebliebenen Bibliotheken zu erreichen. (früher 14 Bibliotheken jetzt noch 9; http://goo.gl/YYuZR).
Die Musikschule Köpenick wurde einfach zu teuer und muss geschlossen werden. http://goo.gl/WRKAx .
Der Jugendclub ABC muss schließen. Kinder und Jugendliche müssen nun zukünftig ihre Freizeit woanders verbringen. (http://goo.gl/Xw24V)

Die Beträge die für den Erhalt dieser Einrichtungen notwendig wären, sind mit nur einem Bruchteil der Mehrkosten realisierbar!

tramZuletzt möchte ich noch den Nahverkehr erwähnen. Berlin will ja immer gerne Weltstadt sein, weswegen der Flughafen ja auch so wichtig ist. Jeder Berliner der etwas außerhalb wohnt, kennt das Problem des täglichen Arbeitsweg. 1-1,5 h Fahrtweg sind für Berliner keine Seltenheit und manch Brandeburger ist mit dem Regionalzug schneller in Berlin als ein Randstädter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Berliner S-Bahn wurde ja von Herrn Mehrdorn schon bis zum Herzstillstand gebracht. Worüber ich aber konkret berichten möchte, ist die Schließung der Straßenbahnlinie 61 nach Rahnsdorf. Wegen der zu hohen Kosten für die Sanierung durch das Trinkwasserschutzgebiet wird wohl für 400 – 1000 Menschen täglich die Bahn nicht mehr fahren. Schöne Weltstadt! Man höre, die Bahn verursacht hohe Kosten durch das Trinkwasserschutzgebiet und die Flugzeuge dürfen ungehindert ihre Schadstoffe in das Gebiet pumpen. Wie auch immer die Kosten für die Sanierung der Strecke belaufen sich auf die gleiche Summe die der BER in 14 Tagen (!!!) kostet, weil er noch nicht in Betrieb ist. http://goo.gl/RROmD

waldbearbeitung_300Ein weiterer Punkt ist der Berliner Wald. Durch die jahrelange Monokulturwirtschaft und diverser anderer Ursachen hat sich der Waldzustand enorm verschlechtert. Dies hat man eingesehen und möchte den Wald wieder zu einem zukunftsfähigen, nachhaltigen Mischwald umstrukturieren. Dies kostest Summe X. Mit dieser Summe würde man es schaffen, den Wald in 50 Jahren renaturiert zu haben. Leider ist nur ein Zehntel des Geldes da und so wird es ganze 500 Jahre dauern. Es tut mir Leid liebe Kinder aber wir versauen euch gerade eure Zukunft. Lesen sie hier die Fakten: http://goo.gl/1ttKp

Dieses Projekt schadet dem Steuerzahler enorm! Und was mich am meisten ärgert, ohne mich als Wutbürger bezeichnen zu wollen, dass im gleichen Atemzug den Airlines und den Betreibern etliche Förderungen das Leben erleichtern, die natürlich auch durch Steuern finanziert sind. Alles für die Wirtschaft!

Ich wünsche mir für die Zukunft Großprojekte bürgernäher gestaltet. Für den BER ist jedenfalls jeder Zug abgefahren bzw. jedes Flugzeug abgeflogen.

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One Response to Gescheiterte Großprojekte und deren lokale Folgen

  1. menzel says:

    150% Zustimmung. Eine Präzisierung sei mir erlaubt, auch wenn es die Sache an sich nicht besser macht: die Linie 61 soll NICHT komplett eingestellt werden. „Nur“ das Teilstück von S-Bhf Friedrichshagen bis S´trandbad Rahnsdorf. Mangels Fahrgästen und weil eine Sanierung in einem Trinkwasserschutzgebiet zu teuer würde. Womit wir in beiden Fällen wieder beim Geld wären, das Berlin nicht hat, weil es an anderer Stelle sinnlos verbraten wird. Denn das Strandbad hätte schon längst attraktiv saniert werden können und wäre attraktiver Anziehungspunkt für viele Tausende mehr, die mit der Tram dahin fahren würden. Aber am hübschesten ist ja das Argument mit dem Trinkwasserschutzgebiet. Derweil oben in der Luft die Dreckschleudern drüberballern, darf unten das umweltfreundlichste verkehrsmitel, was wir derzeit haben, nicht mehr fahren. Stattdessen dann übrigens ein BUS!. Super. Hallo? Empörte Grüße aus Friedrichshagen.

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